Ein Trauma entsteht, wenn ein Mensch eine Situation erlebt, die als existenziell bedrohlich oder überwältigend empfunden wird und die eigenen Bewältigungsmöglichkeiten übersteigt. In den meisten Fällen können belastende Ereignisse mit der Zeit verarbeitet werden. Manchmal jedoch bleiben traumatische Erfahrungen tief im Nervensystem gespeichert und beeinflussen das Denken, Fühlen und Handeln.
Trauma ist ein Zustand vollkommener Fassungslosigkeit und Sprachlosigkeit. Viele Menschen tragen traumatische Erfahrungen über Jahre oder Jahrzehnte mit sich, ohne die eigentliche Ursache ihrer emotionalen Belastung zu erkennen. Ich weiß aufgrund eigener Erfahrungen sehr gut, wovon ich spreche.
Traumatische Erlebnisse können nach Unfällen, Gewalterfahrungen, sexuellem Missbrauch, emotionalem Missbrauch, narzisstischen Missbrauch, toxischen Beziehungen, Krieg, Verlusten oder schweren Erkrankungen entstehen. Auch wiederholte emotionale Vernachlässigung oder ein dauerhaft unsicheres familiäres Umfeld können langfristige Traumafolgen hinterlassen.
Eine frühzeitige und traumasensible Begleitung kann dazu beitragen, chronische Beschwerden zu vermeiden und wieder mehr Lebensqualität zu gewinnen.
Mögliche Folgen von Trauma:
Die Langzeitfolgen unverarbeiteter Traumata können sich oft erst Jahre oder sogar Jahrzehnte später zeigen. Viele Betroffene werden früher oder später mit den Auswirkungen ihrer traumatischen Erfahrungen konfrontiert. Unverarbeitete Traumata können zudem über Generationen hinweg weiterwirken. Dieses Phänomen wird als transgenerationales Trauma bezeichnet – die unbewusste Weitergabe unverarbeiteter, extrem belastender Erfahrungen.
Häufig werden die auftretenden Symptome zunächst nicht mit einem zugrunde liegenden Trauma in Verbindung gebracht. Dazu können beispielsweise ADHS, Essstörungen, Asthma, Hautprobleme, Einnässen, Hochsensibilität, psychosomatische Beschwerden, Autoimmunerkrankungen, chronische Schmerzerkrankungen sowie das Chronische Fatigue-Syndrom (ME/CFS) gehören. Auch bei Autismus können traumatische Erfahrungen zusätzlich belastend wirken, Autismus gilt jedoch nicht unbedingt als Folge eines Traumas.
Nicht selten wundern wir uns nicht nur über die Verhaltensweisen anderer Menschen, sondern auch über unsere eigenen. Noch schwerer nachvollziehbar erscheinen diese, wenn Trauma eine Rolle spielt. Um bestimmte Verhaltensweisen besser zu verstehen, ist es hilfreich, sich der typischen Traumareaktionen bewusst zu werden.
Jeder Mensch, der mehr erlebt, als er verarbeiten kann, gerät aus dem Gleichgewicht – unabhängig davon, wie belastbar er nach außen erscheinen mag. Unser Nervensystem macht das, was es tun muss, um uns zu schützen. Deshalb sind scheinbar unnormale Reaktionen oft völlig normale Reaktionen auf außergewöhnliche oder überwältigende Situationen.
Traumareaktionen sind Überlebensreaktionen und können sich bei jedem Menschen in unterschiedlicher Form zeigen. Angst beispielsweise kann eine Traumareaktion auslösen, wenn sie durch alte, unverarbeitete Erfahrungen oder Verletzungen in der Gegenwart getriggert wird. Menschen mit einem unverarbeiteten Trauma können jedoch in diesen Reaktionsmustern verharren, wodurch ihre persönliche Entwicklung und ihr Wohlbefinden beeinträchtigt werden können.
Wenn unser emotionales Gehirn eine Situation als bedrohlich bewertet und unser Überleben gefährdet sieht, greift es auf bewährte Schutzmechanismen zurück. Es nutzt Strategien, die sich in der Vergangenheit als hilfreich erwiesen haben, und überträgt sie auf ähnliche Situationen in der Gegenwart – selbst dann, wenn heute keine reale Gefahr mehr besteht.
Typische Traumareaktionen sind:
(Quelle: Das Geschenk des Schmerzes, Boris Pikula)
Trauma kann grundsätzlich als ein sozial-interpersonelles Geschehen betrachtet werden. Ganz gleich, ob Ihr Trauma die Folge dessen ist, was Ihnen angetan wurde, oder dessen, was Sie selbst getan haben – in beiden Fällen kann es sehr schwerfallen, Nähe und intime Beziehungen zuzulassen. Wie soll man anderen oder sich selbst vertrauen? Wie kann man sich nach dem, was man erlebt hat, auf eine intime Beziehung einlassen und sich einem anderen Menschen öffnen?
Da Trauma häufig mit einer Entfremdung von den eigenen Gefühlen und Bedürfnissen einhergeht, kann es schmerzhaft sein, ganz man selbst zu sein. Fehlt ein gesunder Umgang mit den eigenen Emotionen, kann sich dies auf Beziehungen auswirken.
So zeigen manche Menschen in Stresssituationen eine starke Tendenz, anzugreifen oder sich unmittelbar zurückzuziehen. Dies kann ein Hinweis darauf sein, dass frühere Verletzungen – etwa durch Vernachlässigung, Missbrauch oder andere traumatische Erfahrungen – weiterhin im Nervensystem nachwirken. Der Körper reagiert dann so, als bestünde eine akute Gefahr, und aktiviert automatisch Überlebensstrategien wie Kampf oder Flucht. Für eine liebevolle und vertrauensvolle Beziehung kann das eine große Herausforderung sein.
Dies kann dazu führen, dass wir die Signale unseres Gegenübers falsch interpretieren oder gar nicht wahrnehmen. Worte und Handlungen werden als Bedrohung empfunden, obwohl objektiv keine Gefahr besteht. Erst im Nachhinein wird vielen Betroffenen bewusst, dass sie möglicherweise überreagiert haben.
Trauma wirkt sich nicht nur auf unser Inneres aus, sondern auch auf unsere Beziehungen. Werden Sie durch belastende Erfahrungen aus der Vergangenheit – insbesondere aus der Kindheit – in Ihrer heutigen Partnerschaft getriggert, fällt es oft schwer, in der Gegenwart zu bleiben und die Beziehung so zu erleben, wie sie tatsächlich ist. Häufig entsteht dadurch ein Kreislauf aus Missverständnissen, Konflikten und emotionalem Stress, der die Partnerschaft zusätzlich belastet.
(Quelle: Das Geschenk des Schmerzes, Boris Pikula)
Bei einem Trauma handelt es sich nicht um Schwäche, sondern um eine nachvollziehbare Reaktion des Nervensystems auf außergewöhnliche Belastungen. Mit dem richtigen Verständnis und einer individuell angepassten Begleitung kann sich das Nervensystem Schritt für Schritt stabilisieren.
Je früher Traumafolgen erkannt und behandelt werden, desto größer sind häufig die Chancen auf eine nachhaltige Verbesserung der Lebensqualität.
Eine Einheitslösung gibt es allerdings nicht. Jeder Mensch ist einzigartig und benötigt eine individuelle Form der Unterstützung. Was dem einen hilft, muss nicht zwangsläufig auch für den anderen passend sein. Manches braucht Zeit, und nicht jede Methode ist zu jedem Zeitpunkt sinnvoll. Deshalb ist es wichtig, den eigenen Weg zu finden und herauszufinden, was guttut und nachhaltig weiterhilft.
Mit einem Schwerpunkt in diesem Bereich sowie basierend auf persönlichen Erfahrungen und vielen Jahren der Arbeit mit Betroffenen unterstütze ich Sie gerne dabei, Traumata zu verarbeiten, Trigger aufzulösen sowie emotionale Stabilität und innere Sicherheit zu entwickeln.
Gerne unterstütze ich auch Sie dabei vom Überleben zurück ins Leben zu finden - entweder vor Ort in meiner Praxis in München oder Online. Machen Sie noch heute noch einen Termin für ein kostenfreies Vorgespräch aus!
Tipp: Wenn Sie sich intensiver mit dem Thema beschäftigen möchten, empfehle ich Ihnen mein Buch „Das Geschenk des Schmerzes – Trauma infolge von narzisstischem Missbrauch und toxischen Beziehungen verstehen, annehmen, heilen“.